Sketches & Scratches – Theater ohne Worte

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von Deniz

Wie las­sen sich Geschich­ten mit Sound­de­sign erzäh­len? Bei „Sket­ches & Scrat­ches“ ent­wi­ckeln Jugend­li­che kur­ze Sket­ches, in denen sze­ni­sches Spiel und live erzeug­te Klän­ge gemein­sam die Hand­lung tra­gen. Das Kon­zept knüpft an ihre Hör­erfah­run­gen aus Film, Games und Social Media an: Elek­tro­ni­sche Sounds, die ihnen aus die­sen Zusam­men­hän­gen ver­traut sind, wer­den mit selbst erzeug­ten Klän­gen kom­bi­niert und live zum erzäh­len­den Element.

Die Work­shops begin­nen mit dem Ken­nen­ler­nen unter­schied­li­cher Musik-Apps. Auf meh­re­ren iPads ste­hen den Jugend­li­chen dazu ver­schie­de­ne Instru­men­te bereit – von Drum Machi­nes und Syn­the­si­zern bis zu Apps für Sam­pling und expe­ri­men­tel­les Sound­de­sign. So erhal­ten sie einen prak­ti­schen Über­blick über ver­schie­de­ne For­men des elek­tro­ni­schen Musi­zie­rens und dar­über, wel­che Klän­ge und Spiel­wei­sen sie per­sön­lich am meis­ten interessieren.

Am zwei­ten Tag sehen wir uns zunächst Bei­spie­le von Char­lie Chap­lin, Jac­ques Tati, den Umbi­li­cal Brot­hers und Mr. Bean auf You­Tube an. Die Aus­schnit­te zei­gen unter­schied­li­che Bezie­hun­gen zwi­schen Klang und Sze­ne: Geräu­sche kön­nen Bewe­gun­gen syn­chron ver­to­nen und dabei über­zeich­nen, eine komi­sche oder fan­tas­ti­sche Ebe­ne hin­zu­fü­gen oder selbst zum Aus­gangs­punkt einer Hand­lung werden.



Von Tag 2 bis Tag 5 ent­wi­ckeln die Teilnehmer*innen in klei­nen Grup­pen ihre eige­nen Sket­ches. In gemein­sa­mer Regie den­ken sie sich eine Spiel­sze­ne, Rol­len und Kos­tü­me aus, suchen die dafür benö­tig­ten Klän­ge und tei­len unter­ein­an­der die Rol­len für Schau­spiel und Sound­de­sign auf.

Man­che Grup­pen set­zen ihre Klän­ge eher abs­trakt ein. Ande­re nut­zen z. B. das Pitch-Shif­ting der Tape Machi­nes, um die Geschwin­dig­keit der Kas­set­ten­klän­ge mit den Bewe­gun­gen der Schauspieler*innen zu kop­peln, was bereits vor­han­de­ne Slap­stick-Ele­men­te oft akus­tisch ver­stärkt. Auch die Stim­me wird zum Live-Instru­ment des Sound­de­signs: Mit dem Mund wer­den Schrit­te und ande­re Bewe­gungs­ge­räu­sche erzeugt, abs­tra­hiert oder über­be­tont; außer­dem wird dada­is­ti­sche Pseu­do­spra­che erfunden.

Eini­ge Grup­pen gehen regel­recht auf in der Online-Suche nach kur­zen Klang­schnip­seln von You­tube und Tik­tok, um die­se mit­hil­fe der App Koa­la Sam­pler zu bear­bei­ten und anschlie­ßend zum Büh­nen­ge­sche­hen zu collagieren.

Für die maschi­nel­len Sounds eines außer Kon­trol­le gera­te­nen Robo­ters nutzt eine Grup­pe die Syn­the­si­zer-App TC-11. Die­se reagiert gleich­zei­tig auf meh­re­re Berüh­run­gen sowie auf die Posi­ti­on, Geschwin­dig­keit und das Ver­hält­nis der Fin­ger zuein­an­der. Dadurch wird die Ges­te auf dem iPad unmit­tel­bar in eine Bewe­gung des Klangs über­setzt und kann sehr genau mit der Bewe­gungs­dy­na­mik eines ver­rück­ten oder kaput­ten Robo­ters ver­knüpft werden.

Beim Pro­ben ent­steht eine Form von Live-Sound­re­gie, bei der Hören, Reagie­ren, Timing und Bewe­gung zusam­men­kom­men. Die Sound­de­si­gner müs­sen ihr Spiel mit den Bewe­gun­gen und der Mimik der Schau­spie­ler syn­chro­ni­sie­ren – und umge­kehrt. Die Zusam­men­ar­beit for­dert gemein­sa­me Impro­vi­sa­ti­on auf meh­re­ren Ebe­nen: beim Erfin­den der Sze­ne, bei der Suche nach Samples oder Ein­stel­lun­gen der App-Instru­men­te und schließ­lich bei der Abstim­mung in der Live-Umset­zung aller Ele­men­te. Die impro­vi­sier­ten und col­la­gier­ten Sounds sind sowohl Sound­de­sign als auch Teil einer gemein­sa­men musik­thea­tra­li­schen Erfindung.

Die hier gezeig­ten Aus­schnit­te stam­men aus drei Work­shop­wo­chen, die in die­sem Früh­jahr und Som­mer im Rah­men zwei­er deutsch-pol­ni­scher und einer bela­rus­sisch-deut­schen Jugend­be­geg­nung auf Schloss Treb­nitz statt­fan­den – Dank und Grü­ße gehen an Chan­tal und Martin.